Primus der Zweite

Unser Augenmerk liegt zurzeit auf dem kommenden Weinjahrgang 2008. Die ersten Triebchen die sich Anfang Mai in den Himmel streckten sind zu stattlichen Trieben geworden. Aus diesem Grund wurden auch schon die ersten Handarbeiten im Weinberg erledigt: „das Ausbrechen“. Auch wurden schon 16 neue Rieslingreben in der Anlage gepflanzt, die Stockausfälle aus den vergangenen Jahren kompensieren sollen. Maschinelle Arbeiten wurden auch schon in der Anlage ausgeführt: Die Dauerbegrünung wurde aufgebrochen & gefräst. Der dadurch freiwerdende Stickstoff soll mit einer eingesäten Halbzeitbegrünung bestehend aus Leguminosen (Stickstoffsammler) aufgenommen werden. Diese sammeln den im Boden und in der Luft befindlichen Stickstoff und halten diesen in ihrer Grünmasse fest, ohne das dieser ausgewaschen werden kann. Durch erneutes Umbrechen der Begrünung kann der gesammelte Stickstoff der Rebe wieder zur Verfügung gestellt werden. Dadurch kann man ohne Einsatz von mineralischen Düngern den Stickstoffhaushalt der Rebe decken.“

Nach einer schnellen Wachstumsperiode, „angeheizt“ durch den warmen Frühling und den reichlichen Niederschlägen, befinden wir uns derzeit im BBCH Code 75 (Traubenschluss). Die Beeren sind nun etwas größer als Erbsen und werden von Tag zu Tag dicker! Aus diesem Grund haben wir erst sehr spät die Triebspitzen abgeschnitten, so dass die ganze Kraft der Rebe so spät wie möglich auf das Wachstum der Beeren geht. Die Beeren bleiben insgesamt kleiner und die Trauben lockerbeeriger. Dies wirkt sich indirekt auf die Pflanzengesundheit aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die dicker werdenden Beeren gegenseitig abdrücken und somit Nährböden für eventuell auftretende Pilzinfektionen bilden, ist somit verringert. Insbesondere Botrytis = dt. Grauschimmel (im Weinjargon auch als „Edelfäulnis“ bezeichnet, wenn dieser erst spät in der Reifephase auftritt) verhindert eine reintönige Vergärung und stört die Aromenbildung, auf die wir großen Wert legen. Aus diesem Grund wollen wir bei der bevorstehenden Ernte möglichst gesunde Trauben ernten, ähnlich dem Jahrgang 2007, wo wir zu 99 % gesundes Lesegut erzielen konnten. Doch um das zu erreichen, müssen wir auch in diesem Jahr wieder einige Male mehr um den „Stock“ gehen.


So zum Beispiel am vergangenen Montag. Wir trafen uns im Weinberg und entblätterten auf der sonnenabgewandten Seite zunächst so stark, dass man die Trauben gut sehen konnte. Anschließend gingen wir erneut durch die Reihen und halbierten die einzelnen Trauben, indem wir immer die Spitze des Pergels abschnitten. So haben die übrigen Trauben am Stielgerüst mehr Platz und die Gefahr des Abdrückens ist geringer. Das Entblättern hat 2 wesentliche Vorteile: Erstens sieht man die Trauben in voller Pracht, sodass sich erste Eindrücke über die Erntemenge ergeben können, ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass die Trauben nun „frei“ hängen können, besser abtrocknen und zusätzliche Photosyntheseleistung der Beerenhaut (durch bessere Sonnenanstrahlung) aktiviert wird. Allerdings ist das Risiko von Hagelschäden und Sonnenbrand etwas größer!

Demnächst wird die angepflanzte Sommerbegrünung gemulcht. Man glaubt es kaum was da alles gewachsen ist! Die Pflanzenbestimmung vor Ort förderte Hochinteressantes zu Tage: Gefunden wurden neben Gelbsenf & Hahnenfuß auch Futtererbsen (Sehr bekömmlich!) und Dickwurze. Diese Artenvielfalt hält den Weinberg im Gleichgewicht und macht den Boden fruchtbar. Da die Begrünung mittlerweile fast kniehoch in den Reihen steht, ist es ratsam diese zu mulchen (Pflanzen verbrauchen zu viel Wasser = Wasserkonkurrenz für Rebe). Das Einarbeiten der Begrünung (mit Fräse) ist allerdings nicht sinnvoll, da der freiwerdende Stickstoff ein enormes Beerenwachstum zur Folge hätte!

Mitteilung am Rand:
Ab heute 8.07.2008 ist unser Primus 2007 Ausverkauft!

Der Nächste Wein wird noch besser! Verlassen Sie sich drauf!

Nach etlichen „Qualitätsfördernden Maßnahmen“ wie dem Ausdünnen, dem Entblättern, Trauben abstreifen (dieses Jahr erstmalig ausprobiert) & Trauben halbieren war es endlich so weit: Die Trauben konnten gelesen werden.
Anfang September war das Wetter durchwachsen, Regen wechselte sich mit Sonnenschein ab. Dadurch wurde insbesondere die Edelfäulnis, aber auch zum großen Leidwesen der Winzer, die sogenannte Essigfäule begünstigt. Wären die Temperaturen nicht Ende September in den Keller geschossen, hätte man sich auf einen durchwachsenen Jahrgang einstellen müssen. Dem war aber nicht so. Die kühlen Temperaturen Ende September/Anfang Oktober  zeigten ihre Wirkung, zwar konnte bedingt durch die Kälte nur wenig Äpfelsäure abgebaut werden, aber der Vegetationsstopp ließ die Trauben bis in den Oktober hinein gesund bleiben.

So konnten wir auch in diesem Jahr wieder kerngesundes Lesegut erzielen. Wochenlang wurde das Mostgewicht mit einem sogenannten Refraktometer im Weinberg erfasst. Dieser hilft dem Winzer zusammen mit dessen sensorischen Fähigkeiten den genauen Lesezeitpunkt zu ermitteln.

Insbesondere bedeutet dies:
Traubenproben aus dem gesamten Weinberg entnehmen und untersuchen!
Hierbei liefern insbesondere die Kernfarbe (bei Riesling sollten die Kerne zum Lesezeitpunkt “braun“ gefärbt sein) sowie wahrnehmbare Säure wichtige Anhaltspunkte für den optimalen Lesezeitpunkt. Der Refraktometer dient ausschließlich dafür, die gewonnen Eindrücke des Winzers im Weinberg zu untermauern.

Doch zu 100% genau ist diese Methode jedoch auch nicht. Genauere Werte (Säure, Oechsle, etc.) lassen sich erst in der Kelterhalle mit einer Mostwaage genau ermitteln!

Aufgrund des guten Erfolges des 2007er Primus wurde die Rebfläche verdoppelt. Dies zog natürlich einen erheblichen Mehraufwand mit sich. Damit alle anfallenden Arbeiten termingerecht erledigt werden konnten, trafen wir uns fast alle 2 Wochen für einen gemeinsamen Arbeitsnachmittag. Insbesondere die Traubenlese, neben dem Rebschnitt, die arbeitsintensivste Zeit im Weinberg musste genau organisiert werden.

Bereits Wochen vor dem eigentlichen Lesetermin trafen wir uns und schnitten Fäulnisnester weg. Dies verhinderte zum Einen ein Ausbreiten von Fäulnis und zum Anderen war dies eine erhebliche Erleichterung für die Lesemannschaft.

Da unter der Woche keiner Zeit fand, trafen wir uns am Sonntagmorgen und lasen die ersten 4 Reihen des neuhinzugekommen Weinbergs. Aufgrund der wochenlangen Vorarbeit von Thomas und mir, ging die Lese relativ schnell von der Hand. Nur gesunde Trauben wurden gelesen und anschließend in die Transportbehälter geschüttet.

Eine Woche später wurde der Rest mit ähnlichem Ergebnis geerntet.

Nach dem Keltern stellte sich ein Mostgewicht von 93 bzw. 94 Oechsle ein. Wer den vorangegangenen Text aufmerksam verfolgt hat, wird bestimmt erkannt haben, dass das Mostgewicht etwas niedriger ausgefallen ist als im vergangenen Jahr. Dies ist natürlich etwas enttäuschend, aber die Wetterlage ließ leider nicht mehr zu! Aber Oechsle ist nicht alles! Wein ist etwas filigranes, die Harmonie (Zusammenspiel von Frucht, Süße, Alkohol, Säure und Gerbstoffgehalt) ist viel wichtiger!

So ist mit der Zeit ein gehaltvoller & fruchtbetonter Rieslingwein entstanden, der seinesgleichen sucht.

Am 20. März kommt der 2008er Primus in die Flasche und wird ab April zu genießen sein!